Eine Wand raus, und aus zwei kleinen Räumen wird ein heller, offener Wohnbereich. Der Wunsch ist verständlich und oft gut umsetzbar. Bevor aber der Bohrhammer kommt, sind ein paar Dinge zu klären. Vor allem die eine Frage: Trägt die Wand etwas oder nicht? Davon hängen Aufwand, Kosten und Sicherheit ab. Worauf es dabei ankommt, lesen Sie hier.
Tragend oder nichttragend? So erkennen Sie es
Die wichtigste Unterscheidung überhaupt. Eine tragende Wand leitet Lasten aus Decken, oberen Geschossen oder dem Dach nach unten ab. Entfernt man sie ersatzlos, drohen Risse, durchhängende Decken, im schlimmsten Fall ein Einsturz. Eine nichttragende Wand ist dagegen eine reine Trennwand und kann meist ohne statische Maßnahmen weichen.
Erste Anhaltspunkte:
- Dicke: Tragende Wände sind oft dicker (ab etwa 17,5 cm), Trennwände dünner.
- Material: Massive Wände aus Beton, Kalksandstein oder Ziegel sind häufiger tragend als leichte Gipskarton- oder Gipswände.
- Klang: Klopft es hohl, ist es eher eine Leichtbauwand. Das ist aber kein sicherer Beweis.
- Lage: Wände, die durch mehrere Geschosse durchgehen oder das Haus mittig teilen, sind oft tragend.
Letzte Sicherheit bringt nur der Blick in den Grundriss oder Statikplan, und im Zweifel die Einschätzung eines Fachmanns. Raten Sie hier bitte nicht. Dieser Fehler ist viel zu teuer.
Statik, Sturz und Träger
Soll eine tragende Wand geöffnet werden, muss die Last über der Öffnung aufgefangen werden. Dafür berechnet ein Statiker den passenden Sturz oder Stahlträger (oft ein Doppel-T-Träger). Erst wenn der eingebaut und ordentlich aufgelagert ist, darf die Wand darunter weg.
An diesem Schritt führt kein Weg vorbei. Die Statik gibt Trägergröße, Auflager und Vorgehen vor und sorgt dafür, dass Ihr Haus auch nach dem Durchbruch sicher steht. Ein erfahrener Maurermeister setzt das fachgerecht um und stimmt sich dabei eng mit dem Statiker ab.
Braucht man eine Genehmigung?
Das kommt darauf an:
- Nichttragende Wand im eigenen Haus: meist keine Genehmigung nötig.
- Tragende Wand: Sie brauchen in der Regel einen statischen Nachweis. Je nach Eingriff und Gebäude kann auch eine baurechtliche Anzeige oder Genehmigung erforderlich sein.
- Eigentumswohnung: Hier ist fast immer die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft nötig, da tragende Wände zum Gemeinschaftseigentum gehören.
- Mietwohnung: ohne Zustimmung des Eigentümers tabu.
Im Zweifel lohnt sich der kurze Anruf beim Fachbetrieb oder beim Bauamt, bevor Sie loslegen. Das kostet zehn Minuten und erspart später viel Ärger.
So läuft ein Wanddurchbruch ab
Der grobe Ablauf sieht meist so aus:
- Begutachtung und Planung: Wand prüfen, Statik klären, Maße festlegen.
- Schutzmaßnahmen: Möbel raus oder abdecken, Staubschutzwände aufstellen, Böden schützen. Staub ist beim Durchbruch das größte Ärgernis. Eine gute Abschottung mit Folie und Reißverschlusstüren hält den Rest der Wohnung sauber.
- Träger einbauen (bei tragenden Wänden): Schlitze stemmen, Träger einsetzen, sauber unterfüttern.
- Durchbruch: Wand abtragen, Öffnung herstellen.
- Nacharbeiten: Laibungen verputzen, Schutt entsorgen, alles besenrein hinterlassen.
Ein einfacher Durchbruch in einer leichten Wand ist oft an einem Tag fertig. Kommt ein Stahlträger dazu, sollten Sie mehrere Tage einplanen, die Trockenzeiten für Putz und Mörtel mitgerechnet.
Mit welchen Kosten Sie rechnen sollten
Als grobe Orientierung, nicht als Festpreis:
- Nichttragende Wand: häufig im niedrigen vierstelligen Bereich, je nach Größe und Entsorgung.
- Tragende Wand mit Statik und Stahlträger: deutlich höher, da Statiker, Material und mehr Arbeitszeit dazukommen.
Was den Preis bestimmt: Wandstärke und Material, Größe der Öffnung, ob ein Träger nötig ist, der Aufwand für Staubschutz und Entsorgung und nicht zuletzt die Zugänglichkeit. Ein konkretes Angebot machen wir nach einer Besichtigung vor Ort.
Warum Statiker und Meister wichtig sind
Beim Wanddurchbruch geht es um die Standsicherheit Ihres Hauses. Da ist Heimwerken die falsche Sparmaßnahme. Ein Statiker rechnet die Lasten, ein erfahrener Maurermeister baut den Träger fachgerecht ein und arbeitet sauber. Diese Kombination schützt Sie vor teuren Folgeschäden.
Bei Schill & Sellmeyer übernehmen wir den Durchbruch von der Begutachtung bis zur fertigen Öffnung. Mit einem festen Ansprechpartner, abgestimmt mit dem Statiker und ohne lange Subunternehmer-Kette. Wenn Sie in Hamburg oder im Umland eine Wand öffnen möchten, beraten wir Sie gern: 040 696 482 73.