Wer durch Hamburg geht, sieht sie überall: rote, braune, manchmal fast schwarze Backsteinfassaden. Der Klinker prägt das Stadtbild, von der Speicherstadt bis zur Reihenhaussiedlung am Stadtrand. Zufall ist das nicht. Dahinter stecken handfeste Gründe, die mit unserem Wetter und einer langen Handwerkstradition zu tun haben.
Was ist Verblendmauerwerk?
Verblendmauerwerk ist die sichtbare, äußere Schale einer Wand aus Vormauersteinen, meist Klinker. Anders als bei verputzten Fassaden bleibt der Stein sichtbar und übernimmt den Wetterschutz selbst. Klinker entsteht, indem Ton bei sehr hohen Temperaturen gebrannt wird, bis er sintert. Das macht den Stein dicht, hart und nahezu wasserundurchlässig. Genau die Eigenschaften, die man im regnerischen Norden gut gebrauchen kann.
Warum gerade in Hamburg?
Die Liebe zum Klinker im Norddeutschen hat mehrere Wurzeln:
- Das Wetter: Schlagregen, Wind und Frost setzen Fassaden zu. Klinker stecken das weg, ohne aufzuquellen oder abzuplatzen.
- Die Langlebigkeit: Eine gut gemauerte Klinkerfassade übersteht problemlos mehrere Generationen, oft ohne nennenswerte Instandhaltung.
- Die Optik: Der warme, lebendige Farbton altert würdevoll. Klinker bekommt mit den Jahren Charakter, statt schäbig zu wirken.
- Die Tradition: In einer Region ohne Naturstein, aber mit reichlich Ton war der gebrannte Backstein seit jeher das Baumaterial der Wahl.
Diese Kombination macht den Klinker zum norddeutschen Klassiker, der sich bis heute auch im modernen Neubau behauptet.
Zweischaliges Mauerwerk und Dämmung
Moderne Klinkerwände sind in der Regel zweischalig aufgebaut. Innen steht die tragende Wand, außen die Verblendschale, und dazwischen liegt eine Ebene für die Dämmung sowie eine Luftschicht zur Entwässerung. Verbunden werden die beiden Schalen mit nichtrostenden Drahtankern.
Der Aufbau ist clever durchdacht. Die Dämmung hält die Heizkosten niedrig, die Luftschicht führt eingedrungene Feuchtigkeit über Entwässerungsöffnungen kontrolliert wieder ab, und die Klinkerschale schützt das Ganze vor dem Wetter. So bekommt man Energieeffizienz und die geliebte Backsteinoptik unter einen Hut. Ein Thema übrigens, bei dem sich Neubau und energetische Sanierung berühren.
Fugen und Verband: hier zeigt sich das Können
Ein Klinkerbau lebt von seinen Details. Der Mauerwerksverband, also das Muster, in dem die Steine versetzt liegen (etwa der klassische Läuferverband), gibt der Fassade ihr Gesicht. Und die Fugen sind weit mehr als Beiwerk:
- Sie müssen das Bauwerk gegen Regen abdichten.
- Sie müssen farblich und in der Tiefe zur Fassade passen.
- Sie müssen gleichmäßig und sauber ausgeführt sein, denn jede Unregelmäßigkeit fällt auf den ersten Blick ins Auge.
Ein falsch gewählter Fugenmörtel oder schlampige Arbeit rächt sich schnell. Es dringt Feuchtigkeit ein, und das ganze Wandbild wirkt unruhig.
Reparatur und Ausbesserung
Auch die robusteste Fassade braucht irgendwann etwas Zuwendung. Nach Jahrzehnten kann mal ein Stein locker werden oder eine Fuge auswittern. Beides lässt sich reparieren: schadhafte Fugen ausstemmen und neu verfugen, beschädigte Steine ersetzen. Die Kunst liegt darin, Stein und Mörtel so zu wählen, dass die ausgebesserte Stelle mit dem Bestand verschmilzt und genauso lange hält wie der Rest.
Pflege: weniger ist mehr
Verblendmauerwerk ist herrlich genügsam. Es braucht keinen Anstrich und keine regelmäßige Behandlung. Halten Sie die Entwässerungsöffnungen frei und schauen Sie ab und zu nach den Fugen. Mehr ist im Grunde nicht nötig. Von Hochdruckreinigern und dichten Versiegelungen raten wir ausdrücklich ab. Die nehmen dem Stein die Fähigkeit zu atmen, und dann staut sich die Feuchtigkeit erst recht.
Warum saubere Fugenarbeit Meistersache ist
Eine Klinkerfassade verzeiht keine Fehler. Schiefe Reihen, ungleichmäßige Fugen oder der falsche Mörtel bleiben jahrzehntelang sichtbar, und Wasser findet jede Schwachstelle. Genau hier zahlt sich Erfahrung aus. Mauern und Verfugen ist für uns bei Schill & Sellmeyer Kernhandwerk. Als ausbildender Meisterbetrieb mit zwei Maurermeistern an der Spitze geben wir es an die nächste Generation weiter.
Ob Neubau mit Klinkerfassade oder Ausbesserung an einem Hamburger Bestandsgebäude: Wir sorgen dafür, dass Ihre Fassade dichthält und auch in zwanzig Jahren noch gut aussieht. Rufen Sie uns gern unter 040 696 482 73 an.